• Guliver Redaktion

Story: Das Rennen um die Impfstoffe

Über den Jahreswechsel konnten zwei chinesische Hersteller mit ihren Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 Erfolge verzeichnen. Politische Rangeleien könnten Rückenwind für die chinesische Pharmabranche bringen. Noch vor wenigen Jahren wäre ein derartiger Vorstoß Chinas kaum vorstellbar gewesen.


Einfachere Logistik und sehr gute Wirksamkeit bei China National

Das Staatsunternehmen China National Pharmaceutical Group (Sinopharm, nicht börsennotiert) erhielt von den chinesischen Behörden eine Zulassung („for general use“). Zuvor hatte eine Studie dem Impfstoff (BBIBP-CorV) eine Wirksamkeit von 79,34% bescheinigt. Diese liegt damit deutlich über den von der WHO ausgegebenen 50% und übertrifft die Studienergebnisse des Oxford/AstraZeneca-Impfstoffes (70,4%). Das China National-Präparat ist außerdem deutlich leichter zu handhaben als bei der Konkurrenz von Pfizer/BioNTech und Moderna (MRNA). Die aufwändige Kühlung von bisweilen minus 70 Grad entfällt, weil die chinesischen Hersteller einen klassischen Ansatz in der Impfstoffentwicklung wählten und keinen mRNA-Ansatz. China National verschickte bis zum 13. Januar bereits mehr als 10 Millionen Impfdosen ins Inland.


Durchwachsene Studienlage bei Sinovac

Auch das chinesische Privatunternehmen Sinovac konnte seinen Impfstoff erfolgreich in China und zahlreichen anderen Ländern mit (Notfall-)Zulassungen platzieren. Das Vakzin kann zwar auf die gleichen Vorteile bei Lagerung und Lieferung zurückgreifen, wie das innerchinesische Konkurrenzprodukt, schneidet aber bei den bisher erbrachten Wirksamkeitsnachweisen schlechter ab. Studienergebnisse liegen zwischen 78% und 50,4%. Damit liegt der Impfstoff aber noch über der von der WHO festgesetzten Mindesteffektivität von 50%. Bis zum 10. Januar wurden sieben Millionen Impfdosen in China ausgeliefert.


Kooperation mit BioNTech als Alternative

Shanghai Fosun Pharmaceutical (2196.HK) ist im Rahmen einer Kooperation mit BioNTech (BNTX) einen anderen Weg gegangen. Das Unternehmen beteiligte sich an einer Studie für den BioNTech/Pfizer-Impfstoff und ist für die Auslieferung des Serums in China verantwortlich. Mindestens 100 Millionen Impfdosen will das Unternehmen 2021 in China ausliefern.

Das Unternehmen CanSino Biologics (6185.HK) arbeitet ebenfalls an einem eigenen Impfstoff, dieser befindet sich zur Zeit in Phase-III und wird mit Hilfe des chinesischen Militärs entwickelt.


Emerging Marktes im Fokus

Insgesamt befinden sich aktuell fünf Impfstoffe aus China in Phase-III-Testungen. Während die Präparate aus China in Westeuropa und den USA bislang noch keine große Rolle spielen, haben zahlreiche Staaten Asiens mit der Verabreichung der Vakzine von China National und Sinovac an ihre Bevölkerungen begonnen. Doch auch in Europa wächst das Interesse an der chinesischen Alternative. Mitte Januar schloss Ungarn als Reaktion auf die stockenden Impfstofflieferungen einen separaten Vertrag mit der Pharmaceutical Group. Auch Deutschland zeigt sich nach jüngsten Aussagen des Gesundheitsministers offen für Impfstoffe aus China, soweit sie die Zulassungsvoraussetzungen der EMA erfüllen. Derweil zielen Bemühungen der chinesischen Regierung vor allem darauf ab, die Schwellen- und Entwicklungsländer mit den eigenen Impfstoffen zu versorgen.


Vorteile durch politische Rangeleien

Ob die chinesischen Vakzine im Wettbewerb mit westlichen Konkurrenzprodukten letztlich erfolgreich sein werden, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Pharma-/Biotech-Industrie des Landes sollte aber von den politischen Rangeleien profitieren dürfen. Im In- und Ausland wird der diesbezügliche Vorstoß des chinesischen Pharmasektors mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und könnte mittelfristig zu einem wachsenden Vertrauen in die Qualität chinesischer Pharmazeutika führen. Dieses war in der Vergangenheit gerade in Afrika beschädigt worden, weil mangelhafte Präparate auf den Markt gebracht wurden. Studienergebnisse deuten aktuell auf verbesserte Qualitätsstandards hin. In der Vergangenheit konnte in der Pharmaindustrie des Landes eine deutliche Zunahme an Arzneimittelsicherheit beobachtet werden. Ein Härtetest dürften etwaige Zulassungsverfahren in Europa und den USA sein.


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