• Guliver Redaktion

Chinas Führung irritiert Anleger

Seit einer Ankündigung der Regierung in Peking zur Gewinnsperre für Bildungsunternehmen stehen die Aktienmärkte des Landes stark unter Druck. Eine Einordnung der Lage:

Bildung ist in China der Schlüssel für sozialen Aufstieg. In wenigen anderen Ländern legen Eltern so viel Wert auf die optimale Schulausbildung ihrer Kinder. Nach deutschen Maßstäben ergeben sich zuweilen ausufernde Lernbelastungen für die Kinder, von denen man sich überdurchschnittliche Noten und die Perspektive auf eine erfolgreiche Zukunft in einem hart umkämpften Karrierefeld erhofft. Private Nachhilfeunternehmen boten Mittel- und Oberschichtsfamilien deshalb äußerst erfolgreich Lernpakete an. Der Umsatz im Bildungssektor stieg 2020 erstmalig über 50 Mrd. Dollar: eine Vorzeigebranche und Liebling zahlreicher Investoren. Umso einschneidender erfasste die Entscheidung der chinesischen Regierung deshalb die Märkte und bescherte einem auf hohem Niveau befindlichen chinesischen Aktienmarkt erhebliche Verluste, von denen insbesondere die großen Tech-Werte betroffen waren. Zur Begründung verwies die Administration auf Gerechtigkeitserwägungen. Andere Branchen wurden in dem Papier nicht erwähnt.

Kursverlust im Health Care-Bereich.

Im Gesundheitssektor waren die Auswirkungen ebenfalls deutlich zu spüren. Der CSI 300 Health Care Index sackte zwischenzeitlich von 18.714,46 (21. Juli) auf 15.870,13 (27. Juli) Punkte ab. Ähnlich verhielt sich der Kurs beim Hang Seng Healthcare Index. Seitdem befinden sich die Indices in einer Aufwärtsbewegung.


Was sind die Risiken?

Entscheidend bleibt die Frage, ob mit weiteren staatlichen Eingriffen in andere Bereiche gerechnet werden muss. Dazu lassen sich nur differenzierte Aussagen treffen. Es gibt jedoch gewichtige Argumente, weshalb der Gesundheitssektor dabei nicht im Fokus der chinesischen Führung stehen dürfte. Wegen seiner besonders hohen internationalen Vernetzung, globalen Zulassungsstandards und der Forschungslastigkeit, die auf internationale Kooperationen angewiesen ist, bleibt China in diesem Bereich stark an global erzeugte Standards gebunden, wenn es sein mittel- und langfristiges Ziel einer Spitzenindustrie erreichen möchte. Auch die erheblichen Verbesserungen des Patentrechtes zu Gunsten privatwirtschaftlicher Forschungstätigkeit innerhalb Chinas sprechen gegen eine interventionistische Pharma-Politik des Landes. Historisch zeichnet sich der Gesundheitsbereich durch enge Kooperationen mit anderen Staaten aus, die selbst große politische Krisen überdauerten. In der Impfstoffforschung zeigte sich zudem die Bereitschaft, sowohl auf privatwirtschaftlich motivierte Forschung als auch auf Entwicklungen aus staatlichen Unternehmen zu setzen – mit Erfolg.

Also alles nicht der Rede wert?

Nein. Das Vorgehen Chinas hat berechtigte Kritik ausgelöst und könnte, sollten sich weitere Maßnahmen anschließen, zu einem nachhaltigen Schaden für den Investitionsstandort führen. Das Streben der kommunistischen Führung nach mehr Einfluss trifft aber auf Marktrealitäten mit Abschreckungspotential. Das zeigte sich auch an den weitgehend erfolglosen Bemühungen die Kursverluste durch beruhigende Äußerungen staatlicherseits zu begrenzen. Irrationale und unvorhergesehene Maßnahmen bedingen Mittelabflüsse internationaler Investoren. Dies hat man auch in Peking in den vergangenen Tagen mehr als deutlich zu spüren bekommen. Die nächsten Schritte der Funktionäre dürften zu Recht mit größtmöglicher internationaler Aufmerksamkeit analysiert und bewertet werden.

Ausblick:

Welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus für den Guliver China Health Care? Insgesamt bieten chinesische Aktien aus den Bereichen Gesundheit, E-Commerce und Solar-/Windenergie langfristig ein hohes Wachstum und – im Vergleich zu US-Werten – günstigeren Bewertungen. An dieser Einschätzung halten wir auch nach den jüngsten Ereignissen fest. Unsere langjährige und umfassende Analyse der chinesischen Gesundheitspolitik zeigt uns aktuell ein überschaubares Risiko für vergleichbare Eingriffe wie im Bildungssektor. Durch internationale Kooperationen zwischen multinationalen Akteuren aus Europa und den USA sowie chinesischen Partnern dürften auch weiterhin sinnvolle Synergieeffekte entstehen. Auch wenn die Kursrücksetzer im Juli besonders deutlich ausfielen, liegt eine volatile Entwicklung innerhalb unserer Erwartungen, weshalb eine sinnvolle Investitionsperspektive für uns nur langfristig gegeben ist. Wir investieren sowohl in Hong Kong- als auch Festlandwerte und bemühen uns um eine hohe Diversifikation unter Berücksichtigung ESG-relevanter Aspekte. In der Gesamtschau bleiben wir daher zuversichtlich und planen keinen Strategiewechsel. Zum Monatsende stand der Guliver China Health Care bei 113,82 EUR/Anteil.

Weitere Informationen gibt es in unserer ausführlichen Marktanalyse und der Fondsbroschüre auf chinahealthcare.de.

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